Zur rechten Zeit vertreibt der Sonne Lauf
Die finstre Nacht, und sie muss sich erhellen.
Goethe, Mignon (1796)
Liebe Anna Amalia und Goethe-Freunde!
Der gemeinnützige „Anna Amalia & Goethe-Freundeskreis e.V.“ wurde am 18. Februar 2006 gegründet - fast auf den Tag genau drei Jahre, nachdem die erste Auflage von J. W. GOETHE UND ANNA AMALIA – EINE VERBOTENE LIEBE? erschienen war. Als Motto für die Freundeskreisgründung haben wir ein Wort von Pico della Mirandola aus seinem Essay ÜBER DIE WÜRDE DES MENSCHEN (1496) ausgewählt:
Wenn die Kräfte fehlen, dann soll wenigstens die Kühnheit gelobt werden:
In großen Dingen ist es genug, wenn man gewollt hat.
Nach unserer Überzeugung wurde aus machtpolitischen Gründen der Öffentlichkeit ein Liebesverhältnis Charlotte von Steins mit Goethe vorgetäuscht, um die wirkliche Geliebte des bürgerlichen Dichters zu schützen, Charlotte von Steins Herrin: Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach. Über neunzig Mitglieder aus acht Nationen (Stand Januar 2007) setzen sich inzwischen aktiv für diese neue Sicht auf Anna Amalias und Goethes Biographie ein, bei einem großen Kreis von Interessenten und Sympathisanten.
Die Aufgabe, eine neue Sicht auf Goethes Leben und Werk – gegen einen über zwei Jahrhunderte tradierten Kanon – zu etablieren, ist immens. Vier Jahre ist es jetzt her, dass ich als frisch gebackener summa cum laude Doktor und international ausgebildeter Advokat – zum Entsetzen vieler – mich als freier Autor in Weimar niederließ. Nachdem sich bei mir die Überzeugung gefestigt hatte, dass Anna Amalia ab 1775 Goethes Geliebte, Förderin und Muse gewesen war, ließ mir das Unrecht, das dem Paar wiederfahren ist, keine andere Wahl als mich dem scheinbar versteinerten Kanon in den Weg zu stellen. Es war mir unerträglich, dass womöglich noch einmal ein Vierteljahrtausend vergehen könnte, bis das hohe Titanenpaar endlich als solches wahrgenommen, auf den ihnen in der abendländischen Kulturgeschichte gebührenden Platz gehoben wird. Die neue Sicht auf Anna Amalias und Goethes Biographie eröffnet neue Horizonte für eine Renaissance der Klassik, für ein breites Wiederaufblühen der Beschäftigung mit Goethes Dichtungen, für die Aufwertung von Idealen wie Liebe und Treue und vieles mehr. Es ergibt sich die Chance, viel weiter als bisher im Verständnis von Leben und Werk Goethes vorzudringen. Im Anna Amalia-Jahr 2007 beteiligt sich der Freundeskreis an vielfältigen Projekten mit dem Ziel, die neue Sicht auf Goethes und Anna Amalias Biographie fest im öffentlichen Bewusstsein zu etablieren. Das „1. Interdisziplinäre Anna Amalia & Goethe-Symposium“, das am 30. und 31. März 2007 stattfinden wird, könnte ein Meilenstein auf dem Weg zur Neuschreibung von Goethes und Anna Amalias Biographie sein. Erstmals wird die These wissenschaftlich aufgegriffen werden. Dr. Dan Farrelly wird zudem die englische Übersetzung vorstellen, womit die These weltweit zugänglich sein wird. Eine derart komplexe Aufgabe kann nicht angegangen werden, ohne Kräfte zu mobilisieren, die sich aus Idealismus mit Enthusiasmus für das Gelingen des Ganzen einsetzen. Den vielen herausragenden Persönlichkeiten, die sich bisher engagiert die These zu eigen gemacht haben und auf vielfältige Weise für ihre Bekanntmachung eingesetzt haben, kann nicht genug gedankt werden. Der Freundeskreis will zu einer ernstzunehmenden literarischen Gesellschaft heranreifen, in dem Mäzenatentum, Studium, aber auch der gesellige Austausch beheimatet sind. Möge Anna Amalia als eine der bedeutendsten Frauen der europäischen Kulturgeschichte und Goethe als wahrhaft liebender Dichter, der seine Dichtungen ernst meinte, bald ihre Auferstehung feiern.
Herzlichst,
Ihr
Dr. Ettore Ghibellino
- Vorsitzender -





